Schlagwort-Archive: Feminismus

Die Geschichte der kranken Frau

Elinor Cleghorn: Die kranke Frau. Wie Sexismus, Mythen und Fehldiagnosen die Medizin bis heute beeinflussen. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2022.

Übersetzt mit Judith Elze.

„Wir sind der Medizin ein Rätsel, weil sie nicht an den richtigen Stellen nach Antworten sucht und weil sie nicht auf die richtigen Dinge achtet. Wir sind der Medizin ein Rätsel, weil sie unangreifbare Fakten braucht. Ich kenne viele Frauen, denen unterstellt wurde, sie täuschten ihre Symptome vor, bildeten sie sich ein oder bauschten sie auf. Es klafft eine tiefe Kluft zwischen der gelebten Erfahrung, die eine Frau mit ihrer Krankheit macht, und dem medizinischen Wissen über diese Krankheit, zwischen ihrer intimen Kenntnis des eigenen Körpers und dem medizinischen Anspruch auf objektive Belege.“

Platz 8 der Sachbuch-Bestenliste für September

Erhältlich unter anderem im Autorenwelt-Shop.

Neues von Laurie Penny

Penny, Sexuelle Revolution Laurie Penny: Sexuelle Revolution. Rechter Backlash und feministische Zukunft. Hamburg: Edition Nautilus, 2022.

Eine sexuelle Revolution hat begonnen, und diesmal wird sie nicht aufzuhalten sein. Sie beginnt überall da, wo Frauen, queere, nonbinäre und trans Personen, vor allem jene, die nicht der weißen Mehrheitsgesellschaft angehören, aufstehen und nicht länger bereit sind, ihren Körper als jemandes anderen Besitz zu begreifen. Unsere Zeit der Krisen ist dank ihnen zugleich eine Zeit der produktiven Transformation, voller tiefgreifender und dauerhafter Veränderungen in unserem Verständnis von Gender, Sex und der Frage, wessen Körpern und wessen Worten Bedeutung beigemessen wird.
Mitreißend und scharf schreibt Laurie Penny über Sex und Macht, Trauma und Widerstand. Über die Krise der Demokratie, die Krise weißer Männlichkeit und die Rückzugsgefechte derer, die Angst vor Machtverlust haben.
Sie fordert eine Kultur des Consent, die weit über Sex hinausgeht: Auch in Arbeitsverhältnissen, in Systemen der politischen Repräsentation, im Miteinander müssen wir zu einer Logik des fortlaufend ausgehandelten Einvernehmens finden, um individuelle und kollektive Traumata zu heilen und zukünftige zu verhindern.

(Verlagstext)

Rezensiert wurde das Buch unter anderem von Susanne Billig im Deutschlandfunk.

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Laurie Penny: Neue Essays

Laurie Penny: Bitch Doktrin. Gender, Macht und Sehnsucht. Hamburg: Edition Nautilus.

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Eine Besprechung finden Sie unter anderem hier.

Klug und provokant, witzig und kompromisslos sind Laurie Pennys herausragende Essays, die sie zu Recht zu einer der wichtigsten und faszinierenden Stimmen des zeitgenössischen Feminismus machen. Vom Schock der Trump-Wahl und den Siegen der extremen Rechten bis zu Cybersexismus und Hate Speech – Penny wirft einen scharfen Blick auf die brennenden Themen unserer Zeit.

Denn gerade jetzt, in Zeiten sich häufender Krisen in Europa und Amerika, ist es Verpflichtung, geschlossen hinter der Gleichstellung von Frauen, People of Colour und LGBT zu stehen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist kein Nebenschauplatz, sondern Voraussetzung für eine gerechte Gesellschaft.

Weit davon entfernt, einen Kampf gegen »die Männer« zu führen, greift Penny den Status quo gezielt an: Es geht ihr um Fairness, Umverteilung von Vermögen, Macht und Einfluss – weitreichende Forderungen, die sie nicht abmildert, indem sie eine rosa Schleife darum bindet.

Penny ruft dazu auf, sich nicht von jenen beeindrucken zu lassen, die uns den Mund verbieten und uns zu angepasster Liebenswürdigkeit zwingen wollen – sondern eine Bitch zu sein und die Stimme zu erheben.

(Verlagstext)

Feminismus in Medien und Popkultur

ZeislerNeu im März 2017

Andi Zeisler: Wir waren doch mal Feministinnen.  Vom Riot Grrrl zum Covergirl – Der Ausverkauf einer politischen Bewegung. Aus dem Englischen von Katrin Harlaß und Anne Emmert.

Feminismus ist hip. Beyoncé und Emma Watson bekennen sich zum »F-Wort«, Taylor Swift sowieso. Ob die TV-Serie Game of Thrones frauenfeindlich ist oder nicht, darüber redet sich mittlerweile nicht mehr nur die Community im Netz, sondern auch das Feuilleton die Köpfe heiß.Und eine ganze Marketingindustrie schreibt sich »Empowerment« auf die Fahnen, um damit so gut wie jedes Produkt, von Unterwäsche bis Frühstücksflocken, an die Frau zu bringen. Was als politische Bewegung für soziale Gerechtigkeit begonnen hat, scheint heute kaum noch mehr als ein Shoppingtipp in einem großen, bunten Markt zu sein, der uns Lösungen für Probleme und Problemzonen verkauft, die erst das System zu solchen macht. Der Feminismus als Marke setzt individuelle Selbstverwirklichung über kollektive Solidarität.
Andi Zeisler, Gründerin und Herausgeberin des Bitch Magazine, nimmt in ihrem höchst unterhaltsamen Buch eine schillernde Reihe von Beispielen aus Popkultur, Medien und Werbung unter die Lupe und zeigt, wie der Feminismus vereinnahmt und verwässert wurde. »Ermächtigung« ist in aller Munde, auf der anderen Seite hat die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gezeigt, dass Sexismus auf erschreckende Art salonfähig ist.
Unerschrocken und mit beißendem Witz erzählt dieses Buch, wie wir es dazu haben kommen lassen, und es erinnert uns daran, dass mit Feminismus eigentlich einmal etwas anderes gemeint war. (Verlagstext)

Feminismus: jung, wütend, unerschrocken

nautilus_pbRezensionen unter anderem in  ZEIT, FAZ, taz und Deutschlandfunk.

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Die junge Britin Laurie Penny  geht in ihrem neuen Buch Unsagbare Dinge: Sex, Lügen und Revolution von der Lebenswirklichkeit junger Frauen aus und packt den Feminismus erfrischend unerschrocken an. Sie spürt „abgefuckten Mädchen“ und „verlorenen Jungs“ nach, die der neoliberalen Marktkälte zum Opfer fallen und unter den Folgen der globalen Krise und des Sozialstaatsabbaus leiden.

Kritisch beleuchtet sie die Versuche einflussreicher Kreise, die sexuelle Befreiung zurückzudrehen, die repoduktive Freiheit einzuschränken und männliche Gewalt den betroffenen Frauen in die Schuhe zu schieben. Und sie geht der Klischeehaftigkeit des romantischen Liebesideals nach, das der Markt den Menschen aufoktroyiert, um sie dann als Verlierer abzustempeln, wenn die Beziehung scheitert und Frauen ihre Kinder allein erziehen müssen.

Junge Frauen wie Laurie Penny, die im Internet aufwuchsen, wo sie Gleichgesinnte und Freiheit suchten und fanden, stoßen dort auch auf männliche Trolle, die sie mit wütenden Beschimpfungen und Drohungen überziehen, sobald sie sich öffentlich äußern. Überhaupt mischen sich das Netz und die sozialen Netzwerke zunehmend in das Leben der Frauen ein: Die dritte Schicht der Selbstvermarktung, die neben der unbezahlten Familien- und Hausarbeit immer mehr Freizeit frisst, zementiert überkommene Schönheitsideale und verhindert jede Individualität.

Man muss nicht mit allen Ansichten Laurie Pennys einverstanden sein, um zu erkennen, dass die eloquente Bloggerin (Penny Red), die auch für den New Statesman, den Guardian und die Times schreibt, eine wichtige  Stimme der jüngeren Frauengeneration ist.

Unsagbare Dinge: Sex, Lügen und Revolution, übersetzt von Anne Emmert, ist in der Flugschriften-Reihe der Hamburger Edition Nautilus erschienen. Dort liegt bereits Pennys Titel Fleischmarkt vor.