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Varoufakis: Im Zentrum der europäischen Macht

VaroufakisYanis Varoufakis: Die ganze Geschichte. Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment. München: Kunstmann 2017.

Übersetzt von Anne Emmert, Ursel Schäfer und Claus Varrelmann.

Als griechischer Finanzminister löste Varoufakis eine der spektakulärsten und kontroversesten Auseinandersetzungen der jüngsten politischen Geschichte aus, als er versuchte, die Beziehung seines Landes mit der EU neu zu verhandeln. Trotz der massenhaften Unterstützung seitens der griechischen Bevölkerung und der bestechend einfachen Logik seiner Argumente – dass die gigantischen Kredite und die damit verbundene Sparpolitik, die seinem bankrotten Land aufgezwungen wurden, eine zerstörerische Wirkung haben – hatte Varoufakis nur in einem Erfolg: Europas politisches und mediales Establishment in Rage zu versetzen. Aber die wahre Geschichte der damaligen Geschehnisse ist beinahe unbekannt, weil so vieles in der EU hinter verschlossenen Türen stattfindet.

In diesem couragierten Bericht deckt Varoufakis alles auf und erzählt die ganze Geschichte von waghalsiger Politik, von Heuchelei, Betrug und Verrat, die das Establishment in den Grundfesten erschüttern wird.

Dieses Buch ist ein Weckruf, die europäische Demokratie zu erneuern, bevor es zu spät ist.

(Verlagstext)

Rechtspopulismus in Europa

AE_HillebrandLange bevor im linken Spektrum etwa Syriza und Podemos in Griechenland und Portugal stark wurden, entwickelten sich in vielen europäischen Ländern rechtspopulistische Bewegungen und Parteien, die bei Wahlen zum Teil enorme Erfolge feiern: in Großbritannien die Ukip, in Italien die Lega Nord, in Frankreich der Front National, in Österreich die FPÖ und in den Niederlanden Geert Wilders‘ Partei für die Freiheit, um nur einige zu nennen. In Ungarn und Polen sind rechtsorientierte nationalistische Parteien sogar an der Macht. Gemein ist diese Parteien eine europakritische Ausrichtung, offene Fremden- oder Islamfeindlichkeit und grundsätzliches Misstrauen gegenüber den etablierten Partien.

Politologen und Soziologen aus verschiedenen europäischen Ländern stellen in dem von Ernst Hillebrand herausgegebenen Band Rechtspopulismus in Europa einige der Parteien vor und gehen auf Gründe dieser Entwicklung und die Folgen für Europa und die Demokratie ein.

Ernst Hillebrand (Hg.): Rechtspopulismus in Europa. Gefahr für die Demokratie? Bonn: Verlag J. H. Dietz Nachfolge, 2015. Die englischsprachigen Beiträge wurden von Anne Emmert übersetzt.

Feminismus: jung, wütend, unerschrocken

nautilus_pbRezensionen unter anderem in  ZEIT, FAZ, taz und Deutschlandfunk.

Die junge Britin Laurie Penny  geht in ihrem neuen Buch Unsagbare Dinge: Sex, Lügen und Revolution von der Lebenswirklichkeit junger Frauen aus und packt den Feminismus erfrischend unerschrocken an. Sie spürt „abgefuckten Mädchen“ und „verlorenen Jungs“ nach, die der neoliberalen Marktkälte zum Opfer fallen und unter den Folgen der globalen Krise und des Sozialstaatsabbaus leiden.

Kritisch beleuchtet sie die Versuche einflussreicher Kreise, die sexuelle Befreiung zurückzudrehen, die repoduktive Freiheit einzuschränken und männliche Gewalt den betroffenen Frauen in die Schuhe zu schieben. Und sie geht der Klischeehaftigkeit des romantischen Liebesideals nach, das der Markt den Menschen aufoktroyiert, um sie dann als Verlierer abzustempeln, wenn die Beziehung scheitert und Frauen ihre Kinder allein erziehen müssen.

Junge Frauen wie Laurie Penny, die im Internet aufwuchsen, wo sie Gleichgesinnte und Freiheit suchten und fanden, stoßen dort auch auf männliche Trolle, die sie mit wütenden Beschimpfungen und Drohungen überziehen, sobald sie sich öffentlich äußern. Überhaupt mischen sich das Netz und die sozialen Netzwerke zunehmend in das Leben der Frauen ein: Die dritte Schicht der Selbstvermarktung, die neben der unbezahlten Familien- und Hausarbeit immer mehr Freizeit frisst, zementiert überkommene Schönheitsideale und verhindert jede Individualität.

Man muss nicht mit allen Ansichten Laurie Pennys einverstanden sein, um zu erkennen, dass die eloquente Bloggerin (Penny Red), die auch für den New Statesman, den Guardian und die Times schreibt, eine wichtige  Stimme der jüngeren Frauengeneration ist.

Unsagbare Dinge: Sex, Lügen und Revolution, übersetzt von Anne Emmert, ist in der Flugschriften-Reihe der Hamburger Edition Nautilus erschienen. Dort liegt bereits Pennys Titel Fleischmarkt vor.