Schlagwort-Archive: Geschichte

Die Welt am Wendepunkt

Iris Origo: Eine seltsame Zeit des Wartens. Italienisches Tagebuch 1939/40.

Mit einem Vorwort von Lucy Hughes-Hallett und einem Nachwort von Katia Lysy. Berlin: Berenberg, 2021.

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»Ein ruhiger herrlicher Sommerabend; die Trauben reifen, die Ochsen pflügen. Nur der Mensch ist völlig verrückt geworden.«

In der Rückschau ist es leicht, Anzeichen für drohendes Unheil auszumachen. Aber wer mittendrin in der Geschichte steckt, kann nur versuchen, sich aus Gehörtem, Gesehenem und Gelesenem ein Bild zusammenzusetzen. Im ­Sommer 1940 tritt Italien in den Zweiten Weltkrieg ein, ein gutes Jahr zuvor beginnt Iris Origo ihr Tagebuch. Die Britin lebt in der Toskana, ist aber auch in Rom bestens vernetzt. Und während die Nazis über halb Europa hinwegziehen, spricht sie mit Bauern und Politikern, hört Radio und liest Zeitungen – und hält alles fest. So bekommen wir nicht nur Einblick ins faschistische Italien, sondern auch ein Gefühl dafür, wie es ist, wenn die Welt am Wendepunkt steht.

(Verlagstext)

 

Antisemitismus

Julia NeubergerJulia Neuberger: Antisemitismus. Wo er herkommt, was er ist – und was nicht. Berlin: Berenberg Verlag, 2020.

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Wenn sich Antisemitismus heutzutage in einer Gesellschaft mitten in Europa ausbreitet, ist es schlimm genug. Wenn selbst die linke politische Elite eines Landes hier voranmarschiert und Ressentiments schürt, wird es brandgefährlich. Julia Neuberger, britisch-deutsche Rabbinerin, berichtet mit vielen Beispielen aus jüngster Zeit genau davon aus ihrer Heimat. Und weil Antisemitismus so viele hässliche Gesichter tragen kann, liefert sie historischen Hintergrund und erläutert, was Antisemitismus ist – und was nicht. Denn nur, wenn darüber Klarheit besteht, lässt er sich bekämpfen. (Verlagstext)

Neuberger hat ein berührendes Buch geschrieben. Ihre Analyse kann dazu beitragen, mehr Menschen für das Judentum zu sensibilisieren und gegen Antisemitismus zu aktivieren. Das Buch gehört zu den wichtigen Veröffentlichungen der Gegenwart über Antisemitismus.

Harald Bergsdorf, “Aufgabe für alle Demokraten”, FAZ, 14.10.2020

Susan Faludi

FaludiNeu Ende Oktober 2018:

Susan Faludi: Die Perlenohrringe meines Vaters. Geschichte einer Neuerfindung. München: dtv 2018.

Übersetzt von Judith Elze und Anne Emmert

Die Pulitzer-Preisträgerin Susan Faludi, bekannt für ihre Bücher Die Männer schlagen zurück und Männer: Das betrogene Geschlecht, erzählt in ihrem neusten Werk eine sehr persönliche Geschichte: die ihres Vaters, der als Jugendlicher in Budapest den Holocaust überlebte, über Dänemark und Südamerika in die USA gelangte, dort nach allen gesellschaftlichen Regeln der Nachkriegszeit eine Vorzeigefamilie gründete, Kinder und Ehefrau tyrannisierte, nach der Wende nach Ungarn zurückkehrte und mit über 70 Jahren eine Geschlechtsumwandlung vornehmen ließ.

Das Buch ist auch eine Studie über den zurzeit in psychologischen wie politischen Kontexten gefährlich schwärenden Begriff ‚Identität‘.“ (Süddeutsche Zeitung, 4.11.2018)

Faludi nähert sich ihrem Vater, die nun eine Frau ist, wieder an und schreibt ihr Leben auf. Dabei stößt sie ein ums andere Mal auf die Frage nach der Konstruktion von Identität: der religiösen, ethnischen, sexuellen und Gender-Identität des Individuums, aber auch der historischen und kulturellen Identität einer Nation wie Ungarn.

So entsteht eine Biografie mit autobiografischen Zügen, die sich mit dem Judentum ebenso beschäftigt wie mit ungarischer Geschichte und US-amerikanischer Gesellschaft, Frauen und Männern, Heimat und Exil, Transsexualität und der ewigen Frage nach dem Ich.

„Die Übersetzung […] übernimmt klug Faludis sachlichen, leise ironischen Ton.“ (Süddeutsche Zeitung, 4.11.2018)

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Die Vielfalt des Islam

Mourad-AndersonPerry Anderson und Suleiman Mourad: Das Mosaik des Islam. Berenberg Verlag 2018.

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Der britische Historiker Perry Anderson und sein Kollege Suleiman Mourad, gebürtiger Libanese, nutzten einen ausgedehnten Aufenthalt am Institut d’Etudes Avancées im französischen Nantes zu einem ausführlichen Gespräch über den Islam.

In dem daraus entstandenen Buch fügt sich dieser Dialog  zu einem Überblick über die wechselvolle Geschichte des Korans und des muslimischen Glaubens  zusammen. Der Bogen spannt sich von den ­Anfängen des Korans über ­Mohammed, die sunnitisch-schiitische ­Spaltung, die Entwicklung des ­Dschihad und Reformbestrebungen bis hin zum modernen Islam und seinen heutigen Herausforderungen.

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Griechenland unter deutscher Besatzung

AE_MazowerErscheint am 25. Mai 2016:

Mark Mazower: Griechenland unter Hitler. Das Leben während der deutschen Besatzung 1941-1944. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2016.  Übersetzt von Ursel Schäfer, Jörn Pinnow und Anne Emmert

Im 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht in Griechenland ein. Mark Mazower schildert unter Heranziehung verschiedenster Quellen die erbarmungslose Besatzungsherrschaft und ihre Folgen für die weitere Entwicklung Griechenlands. Er erzählt von der Hungerkatastrophe im ersten Jahr der deutschen Besatzung, den Querelen zwischen den Achsenmächten Deutschland und Italien, der Deportation der Juden in die Vernichtungslager, dem Widerstand durch Partisanen und den Vergeltungsaktionen der Deutschen, bei denen unzählige Geiseln hingerichtet und ganze Dörfer ausgelöscht wurden. Mazower blickt ins Innerste des alltäglichen Wahnsinns, sowohl aus Perspektive der Deutschen wie auch aus Sicht der griechischen Bevölkerung und der Partisanen.

Obwohl der britische Historiker und Balkanexperte Mark Mazower dieses Buch schon vor 20 Jahren schrieb, hat es nichts an Aktualität eingebüßt. Entschädigungsfragen bleiben ungeklärt, die Folgen der NS-Herrschaft und der anschließenden Einmischung durch Briten und Amerikaner sind in der griechischen Politik und Gesellschaft bis heute spürbar. Eine Pflichtlektüre für alle, die sich zur Griechenlandfrage eine eigene Meinung bilden wollen.

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Warburg, Conrad, Oppenheimer

AE_MarnhamNeu:

Patrick Marnham: Schlangentanz. Reisen zu den Ursprüngen des Nuklearzeitalters. Übersetzt von Astrid Becker und Anne Emmert. Berlin: Berenberg 2015.

Kann man zu den Ursprüngen der Bombe von Hiroshima reisen? Patrick Marnham, weit gereister BBC-Korrespon­dent, Biograf und Schriftsteller, kennt den Weg, und Joseph Conrad, Aby Warburg und Robert Oppenheimer sind seine Begleiter. Die Reise führt zunächst von Brüssel mit seinem Justizpalast, erbaut aus den Einkünften der kongolesischen Horrorkolonie, in den heutigen Kongo, ­woher das Uran für die Bombe kam. Weiter geht es nach New Mexico, einem magischen Stück USA, mit einer ausgelöschten Indianer-Kultur und dem Vermächtnis von Robert Oppen­heimer und Aby Warburg, zwei »verrückten Genies« die sich der zerstörerischen Kraft der Wissenschaft im 20. Jahrhundert auf ganz verschiedenen Wegen näherten. Die Reise endet in Fukushima, wo 2011 die in Hiroshima und Nagasaki entfesselten Kräfte zeigten, was sie auch heute noch anrichten können.

(Text: Verlagsvorschau)

The Girls of Atomic City

kiernanEin Buch, das noch einen deutschen Verlag sucht, ist Denise Kiernans The Girls of Atomic City. In Oak Ridge, Tennessee, wurde 1942 eine Stadt aus dem Boden gestampft, in der überwiegend junge Frauen arbeiteten. Was sie nicht wussten: Ihre Arbeit bestand darin, für das Manhattan Project und die Atombomben, die später auf Japan niedergingen, Uran anzureichern …

Denise Kiernan hat dieses überwiegend weiblich besetzte Kapitel der US-amerikanischen Kriegsgeschichte gründlich recherchiert. Sie schildert Leben und Arbeit in der Trabantenstadt, beschreibt Sicherheitsregeln und Geheimhaltungsstrategien und skizziert die Entwicklung der Atombombe und die Geschichte der Atomschläge gegen Hiroshima und Nagasaki.

Mehr zu dem Buch finden Sie hier.

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