Archiv der Kategorie: Aktuell

Laurie Penny: Neue Essays

Neu im September 2017:

Laurie Penny: Bitch Doktrin. Gender, Macht und Sehnsucht. Hamburg: Edition Nautilus.

Eine Besprechung finden Sie unter anderem hier.

Klug und provokant, witzig und kompromisslos sind Laurie Pennys herausragende Essays, die sie zu Recht zu einer der wichtigsten und faszinierenden Stimmen des zeitgenössischen Feminismus machen. Vom Schock der Trump-Wahl und den Siegen der extremen Rechten bis zu Cybersexismus und Hate Speech – Penny wirft einen scharfen Blick auf die brennenden Themen unserer Zeit.

Denn gerade jetzt, in Zeiten sich häufender Krisen in Europa und Amerika, ist es Verpflichtung, geschlossen hinter der Gleichstellung von Frauen, People of Colour und LGBT zu stehen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist kein Nebenschauplatz, sondern Voraussetzung für eine gerechte Gesellschaft.

Weit davon entfernt, einen Kampf gegen »die Männer« zu führen, greift Penny den Status quo gezielt an: Es geht ihr um Fairness, Umverteilung von Vermögen, Macht und Einfluss – weitreichende Forderungen, die sie nicht abmildert, indem sie eine rosa Schleife darum bindet.

Penny ruft dazu auf, sich nicht von jenen beeindrucken zu lassen, die uns den Mund verbieten und uns zu angepasster Liebenswürdigkeit zwingen wollen – sondern eine Bitch zu sein und die Stimme zu erheben.

(Verlagstext)

Genmais, Bienen und Unverträglichkeiten

Genbombe von Caitlin Shetterly

Caitlin Shetterly: Genbombe. Wie sich genmanipulierte Lebensmittel unbemerkt in unser Essen schleichen. München: Heyne 2017.

Übersetzt von Anne Emmert und Fabienne Pfeiffer.

Gefördert vom Freundeskreis Literaturübersetzer e. V. mit einem Arbeitsstipendium des Landes Baden-Württemberg.

Die Krankheitssymptome, die Caitlin Shetterly von einem Arzt zum anderen treiben, sind alles andere als harmlos: Müde und erschöpft schleppt sie sich durchs Leben, und an manchen Tagen kommt sie vor lauter Schmerzen nicht aus dem Bett. Im Allergietest bleibt der Mais negativ, doch als ein Arzt der Familie rät, völlig auf Maisprodukte zu verzichten, verschwinden sämtliche Symptome und die Hautaausschläge und Schreiattacken des kleinen Sohnes gleich mit. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Proteine oder Gifte im genveränderten Mais die allergischen Reaktionen auslösen.

Shetterly berichtet aber nicht nur von ihrem Leidensweg und dem ungeheuren Aufwand, der damit verbunden ist, in einer von Maisproteinen durchdrungenen Kultur auf sämtliche Maisprodukte zu verzichten. Sie folgt auch der Spur der Lebensmittel und des Honigs in die Mais- und Sojawüsten des Mittleren Westen und fliegt über den großen Teich nach Belgien und Deutschland, um mehr über die Zukunft der Bienen zu erfahren. Im Laufe ihrer Recherche wird offenbar, wie stark unser Essen (auch in Mitteleuropa, wo der Anbau von GV-Mais verboten ist) schon von genmanipulierten Substanzen unterwandert ist.

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Feminismus in Medien und Popkultur

ZeislerNeu im März 2017

Andi Zeisler: Wir waren doch mal Feministinnen.  Vom Riot Grrrl zum Covergirl – Der Ausverkauf einer politischen Bewegung. Aus dem Englischen von Katrin Harlaß und Anne Emmert.

Feminismus ist hip. Beyoncé und Emma Watson bekennen sich zum »F-Wort«, Taylor Swift sowieso. Ob die TV-Serie Game of Thrones frauenfeindlich ist oder nicht, darüber redet sich mittlerweile nicht mehr nur die Community im Netz, sondern auch das Feuilleton die Köpfe heiß.Und eine ganze Marketingindustrie schreibt sich »Empowerment« auf die Fahnen, um damit so gut wie jedes Produkt, von Unterwäsche bis Frühstücksflocken, an die Frau zu bringen. Was als politische Bewegung für soziale Gerechtigkeit begonnen hat, scheint heute kaum noch mehr als ein Shoppingtipp in einem großen, bunten Markt zu sein, der uns Lösungen für Probleme und Problemzonen verkauft, die erst das System zu solchen macht. Der Feminismus als Marke setzt individuelle Selbstverwirklichung über kollektive Solidarität.
Andi Zeisler, Gründerin und Herausgeberin des Bitch Magazine, nimmt in ihrem höchst unterhaltsamen Buch eine schillernde Reihe von Beispielen aus Popkultur, Medien und Werbung unter die Lupe und zeigt, wie der Feminismus vereinnahmt und verwässert wurde. »Ermächtigung« ist in aller Munde, auf der anderen Seite hat die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gezeigt, dass Sexismus auf erschreckende Art salonfähig ist.
Unerschrocken und mit beißendem Witz erzählt dieses Buch, wie wir es dazu haben kommen lassen, und es erinnert uns daran, dass mit Feminismus eigentlich einmal etwas anderes gemeint war. (Verlagstext)

Gesund ins Alter

Jung bleiben von Bill Gifford

Bill Gifford: Jung bleiben! Warum wir altern – und was wir dagegen tun können. München: Heyne, 2016.

Übersetzt von Anne Emmert und Fabienne Pfeiffer.

Bill Gifford geht der Frage nach, warum wir altern und ob wir etwas dagegen tun können. Die Alternsforschung hält auf diversen Gebieten Überraschungen bereit und entzaubert moderne Mythen wie etwa die Behauptung, dass künstlich zugesetzte Wachstumshormone ein längeres Leben bescheren. Manche Forschungen sind vielversprechend, doch solange wir den Schlüssel zu einem längeren, gesünderen Leben nicht gefunden haben, können wir jedenfalls die altbekannten Ratschläge beherzigen: Bewegung und Ernährung entscheiden über eine längere Gesundheitsspanne. Denn was nützt uns ein langes Leben, wenn wir die letzten Lebensjahre krank und unbeweglich sind?

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Griechenland unter deutscher Besatzung

AE_MazowerErscheint am 25. Mai 2016:

Mark Mazower: Griechenland unter Hitler. Das Leben während der deutschen Besatzung 1941-1944. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2016.  Übersetzt von Ursel Schäfer, Jörn Pinnow und Anne Emmert

Im 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht in Griechenland ein. Mark Mazower schildert unter Heranziehung verschiedenster Quellen die erbarmungslose Besatzungsherrschaft und ihre Folgen für die weitere Entwicklung Griechenlands. Er erzählt von der Hungerkatastrophe im ersten Jahr der deutschen Besatzung, den Querelen zwischen den Achsenmächten Deutschland und Italien, der Deportation der Juden in die Vernichtungslager, dem Widerstand durch Partisanen und den Vergeltungsaktionen der Deutschen, bei denen unzählige Geiseln hingerichtet und ganze Dörfer ausgelöscht wurden. Mazower blickt ins Innerste des alltäglichen Wahnsinns, sowohl aus Perspektive der Deutschen wie auch aus Sicht der griechischen Bevölkerung und der Partisanen.

Obwohl der britische Historiker und Balkanexperte Mark Mazower dieses Buch schon vor 20 Jahren schrieb, hat es nichts an Aktualität eingebüßt. Entschädigungsfragen bleiben ungeklärt, die Folgen der NS-Herrschaft und der anschließenden Einmischung durch Briten und Amerikaner sind in der griechischen Politik und Gesellschaft bis heute spürbar. Eine Pflichtlektüre für alle, die sich zur Griechenlandfrage eine eigene Meinung bilden wollen.

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Laurie Penny: Kurzgeschichten

AE_Penny_BabysAnfang März 2016 erscheint bei Edition Nautilus in Hamburg Babys machen und andere Storys von Laurie Penny. Die bloggende Feministin aus Großbritannien ist der Kurzform treu geblieben, und wer ihre Bücher Fleischmarkt und Unsagbare Dinge (beide Edition Nautilus) kennt, ahnt, dass auch ihre Erzählungen nicht völlig unpolitisch sind.

 

Warburg, Conrad, Oppenheimer

AE_MarnhamNeu:

Patrick Marnham: Schlangentanz. Reisen zu den Ursprüngen des Nuklearzeitalters. Übersetzt von Astrid Becker und Anne Emmert. Berlin: Berenberg 2015.

Kann man zu den Ursprüngen der Bombe von Hiroshima reisen? Patrick Marnham, weit gereister BBC-Korrespon­dent, Biograf und Schriftsteller, kennt den Weg, und Joseph Conrad, Aby Warburg und Robert Oppenheimer sind seine Begleiter. Die Reise führt zunächst von Brüssel mit seinem Justizpalast, erbaut aus den Einkünften der kongolesischen Horrorkolonie, in den heutigen Kongo, ­woher das Uran für die Bombe kam. Weiter geht es nach New Mexico, einem magischen Stück USA, mit einer ausgelöschten Indianer-Kultur und dem Vermächtnis von Robert Oppen­heimer und Aby Warburg, zwei »verrückten Genies« die sich der zerstörerischen Kraft der Wissenschaft im 20. Jahrhundert auf ganz verschiedenen Wegen näherten. Die Reise endet in Fukushima, wo 2011 die in Hiroshima und Nagasaki entfesselten Kräfte zeigten, was sie auch heute noch anrichten können.

(Text: Verlagsvorschau)

Rechtspopulismus in Europa

AE_HillebrandLange bevor im linken Spektrum etwa Syriza und Podemos in Griechenland und Portugal stark wurden, entwickelten sich in vielen europäischen Ländern rechtspopulistische Bewegungen und Parteien, die bei Wahlen zum Teil enorme Erfolge feiern: in Großbritannien die Ukip, in Italien die Lega Nord, in Frankreich der Front National, in Österreich die FPÖ und in den Niederlanden Geert Wilders‘ Partei für die Freiheit, um nur einige zu nennen. In Ungarn und Polen sind rechtsorientierte nationalistische Parteien sogar an der Macht. Gemein ist diese Parteien eine europakritische Ausrichtung, offene Fremden- oder Islamfeindlichkeit und grundsätzliches Misstrauen gegenüber den etablierten Partien.

Politologen und Soziologen aus verschiedenen europäischen Ländern stellen in dem von Ernst Hillebrand herausgegebenen Band Rechtspopulismus in Europa einige der Parteien vor und gehen auf Gründe dieser Entwicklung und die Folgen für Europa und die Demokratie ein.

Ernst Hillebrand (Hg.): Rechtspopulismus in Europa. Gefahr für die Demokratie? Bonn: Verlag J. H. Dietz Nachfolge, 2015. Die englischsprachigen Beiträge wurden von Anne Emmert übersetzt.

Feminismus: jung, wütend, unerschrocken

nautilus_pbRezensionen unter anderem in  ZEIT, FAZ, taz und Deutschlandfunk.

Die junge Britin Laurie Penny  geht in ihrem neuen Buch Unsagbare Dinge: Sex, Lügen und Revolution von der Lebenswirklichkeit junger Frauen aus und packt den Feminismus erfrischend unerschrocken an. Sie spürt „abgefuckten Mädchen“ und „verlorenen Jungs“ nach, die der neoliberalen Marktkälte zum Opfer fallen und unter den Folgen der globalen Krise und des Sozialstaatsabbaus leiden.

Kritisch beleuchtet sie die Versuche einflussreicher Kreise, die sexuelle Befreiung zurückzudrehen, die repoduktive Freiheit einzuschränken und männliche Gewalt den betroffenen Frauen in die Schuhe zu schieben. Und sie geht der Klischeehaftigkeit des romantischen Liebesideals nach, das der Markt den Menschen aufoktroyiert, um sie dann als Verlierer abzustempeln, wenn die Beziehung scheitert und Frauen ihre Kinder allein erziehen müssen.

Junge Frauen wie Laurie Penny, die im Internet aufwuchsen, wo sie Gleichgesinnte und Freiheit suchten und fanden, stoßen dort auch auf männliche Trolle, die sie mit wütenden Beschimpfungen und Drohungen überziehen, sobald sie sich öffentlich äußern. Überhaupt mischen sich das Netz und die sozialen Netzwerke zunehmend in das Leben der Frauen ein: Die dritte Schicht der Selbstvermarktung, die neben der unbezahlten Familien- und Hausarbeit immer mehr Freizeit frisst, zementiert überkommene Schönheitsideale und verhindert jede Individualität.

Man muss nicht mit allen Ansichten Laurie Pennys einverstanden sein, um zu erkennen, dass die eloquente Bloggerin (Penny Red), die auch für den New Statesman, den Guardian und die Times schreibt, eine wichtige  Stimme der jüngeren Frauengeneration ist.

Unsagbare Dinge: Sex, Lügen und Revolution, übersetzt von Anne Emmert, ist in der Flugschriften-Reihe der Hamburger Edition Nautilus erschienen. Dort liegt bereits Pennys Titel Fleischmarkt vor.

The Girls of Atomic City

kiernanEin Buch, das noch einen deutschen Verlag sucht, ist Denise Kiernans The Girls of Atomic City. In Oak Ridge, Tennessee, wurde 1942 eine Stadt aus dem Boden gestampft, in der überwiegend junge Frauen arbeiteten. Was sie nicht wussten: Ihre Arbeit bestand darin, für das Manhattan Project und die Atombomben, die später auf Japan niedergingen, Uran anzureichern …

Denise Kiernan hat dieses überwiegend weiblich besetzte Kapitel der US-amerikanischen Kriegsgeschichte gründlich recherchiert. Sie schildert Leben und Arbeit in der Trabantenstadt, beschreibt Sicherheitsregeln und Geheimhaltungsstrategien und skizziert die Entwicklung der Atombombe und die Geschichte der Atomschläge gegen Hiroshima und Nagasaki.

Mehr zu dem Buch finden Sie hier.

Und zu den Rechten geht es hier.